Die Tapferkeit - Monumentalskulptur im Völkerschlachtdenkmal
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Die Tapferkeit  - einer der vier Kolossalfiguren im Denkmal

In seinem Kurzführer: Steffen Poser – Völkerschlachtdenkmal, verlegt vom Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig, bezeichnet Herr Poser diese Kolossalfigur als einen Kämpfer.
Warum?
Weil er kräftige Oberarme besitzt, voller Muskeln und ansonsten auch sehr knackig aussieht, eben wie ein echter Germane oder wie man sich einen solchen wohl vorstellen mag.
Beschreibung aus seinem Buch: „Die Tapferkeit: Die Arme angespannt, als gelte es, unsichtbare Ketten zu sprengen; deutlich zeichnen sich unter der gewaltigen Anstrengung die gestrafften Muskeln ab.“

tapferkeit

Sitzt so ein normaler Mensch?
Wer greift mit dem linken Arm an sein rechtes Ohr und legt seinen rechten Arm parallel zum linken?
Jeder der sich darüber Gedanken macht, weil diese Sitzhaltung nun nicht gerade zu der normalen, alltäglichen gehört, wird einsehen, dass es sich hier um mehr handelt als nur um die Darstellung der TAPFERKEIT.

Anfangs neigten wir zu der Meinung, hier sehen wir ein unbekanntes Erkennungszeichen der Freimaurer. Doch trotz intensiver Recherche war dieses Zeichen nicht zu entschlüsseln; in der Freimaurerei scheint es dieses Erkennungszeichen nicht zu geben. Also muss man folgendermaßen vorgehen:

Betrachten wir die gesamte Haltung der Skulptur. Sie macht auf uns nicht den Eindruck als wenn sie die Tapferkeit repräsentiert. Eher handelt es sich um eine kontemplative, meditative Haltung, ein hinein hören in sich selbst, Weltentrückung. Er greift sich an das rechte Ohr wobei rechts eben eine besondere Bedeutung hat. Und in der antiken Grabkultur, untersucht von Johann Jakob Bachofen, hat das Ohr immer eine esoterische, keine profane Bedeutung.
Das Ohr ist ein Sinnesorgan mit dem wir die äußere Welt wahrnehmen. Bei einer meditativen Haltung und diese liegt hier eindeutig vor, können wir auch etwas bedeutenderes, zum Beispiel das Übersinnliche wahrnehmen – das ist der Sinn der Meditation.
Die antiken Völker maßen dem Ohr eine außerordentliche Bedeutung bei. Sie meißelten es sogar auf ihre Grabstelen weil sie damit auf das transzendente Hören hinweisen wollten. Er hat keine Ohren, er hört nicht – allbekannter geflügelter Spruch.

Auszug aus: Fritz Glunk, Lexikon der Symbole, Gondrom Verlag 1997, Seite 329: „Ohren.
Das Ohr hat seine große Bedeutung durch den Gott, der den Gläubigen „erhört“. Wenn der Gott besonders freundlich ist, hat er sogar viele Ohren. In einem ägyptischen Hymnus heißt es: „der erhörende Gott kommt zu dem, der ihn ruft. Strahlend in seiner Erscheinung, reich an Ohren.“ Auch den Psalmen ist das Bild der göttlichen Ohren vertraut.
In der Antike hielt man die Ohren für den Sitz des Gedächtnisses
*, worauf die Sitte zurück geht, Kinder am Ohr zu zupfen, wenn man sie an etwas erinnern will. Im frühen katholischen Taufritus wurden die Ohren des Täuflings durch „Berühren für das Wort Gottes „geöffnet“. Auf manchen Verkündigungsbildern schlüpft die Taube des Heiligen Geistes in das Ohr Mariä. Überlange Ohrläppchen sind ein Kennzeichen des erleuchteten Buddha, in Indien und China aber auch ein Hinweis auf königliche Würde. Spitze Ohren sind ein Teufelsmerkmal. Eselsohren sind ein Attribut des Midas, dem sich alles in Gold verwandelte (auch das tägliche Brot), also ein Symbol der Torheit.“

* Oder. Fass dich an deine eigene Ohren. Was soviel bedeutet, wie: Betrachte  
             mal dein eigenes Wesen genauer.

      ohrenstele aegyptischohrenstele
Ägyptische Ohrenstelen

Selbstverständlich kann ich hier nicht ins Detail gehen zu umfangreich ist dieses Thema. Hinweise müssen ausreichen um auf diese skulpturale Besonderheit aufmerksam zu machen. Diese Besonderheit war auch ein Erkennungszeichen einer bestimmten Klasse von Häretikern, nämlich den Katharern.
1863 veröffentlichte A. Lecanu, Doktor der Theologie zu Paris und Mitglied mehrerer gelehrten Gesellschaften – Geschichte des Satans, sein Fall, seine Anhänger (wobei er natürlich die Katharer, Albigenser also die Häretiker meinte, d.A.), seine Offenbarungen, seine Werke, sein Kampf gegen Gott und die Menschen – etc. pp.

Auf Seite 203 schreibt er:
„Im Jahre 1170 hatten sie (die Katharer, d.A.) schon als geheime Gesellschaft festen Bestand; ihre Schüler schieden sich in mehreren Klassen; sie hatten geheime Formeln im Briefwechsel und eigene Erkennungszeichen, von denen eines war: die Hand an das Ohr zu halten.“

Ich denke, das wir jetzt der Enträtselung der Skulptur wesentlich näher gekommen sind.
Sollte diese Skulptur symbolisch einen Katharer darstellen, einen Häretiker, einen Freidenker? Glaubhaft wäre das schon, denn z.B. die Freimaurer haben keinerlei Berührungsprobleme gegenüber dieser alten häretischen Strömung. Tatsache ist ja auch, dass sie, die Freimaurer, von der katholischen Kirche nach wie vor als Häretiker gesehen und behandelt werden. Nun sind wir wieder bei dem Wahrspruch den Schiller den Deutschen gab angekommen – siehe dazu:
Webseite Symbolik des Völkerschlachtdenkmals

*
Literatur, siehe einzelene Artikel: Steffen Poser, Völkerschlachtdenkmal, Kurzführer. Bild: Kolossalfigur Ebenda.

Copyright by Frank Heinrich/2013

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