Symbolik 2


Die Witwe mit dem Kind in der unteren Krypta des Völkerschlachtdenkmals - Grabkammer C. Thieme.

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In der unteren Krypta des Völkerschlachtdenkmals befindet sich an einer Wandseite, schräg von der ehemaligen Grabkammer C. Thiemes (wurde im Zuge der Baumaßnahmen niedergelegt) entfernt, ein Relief- siehe Bild:

Völkerschlachtdenkmal

Auf dem Bild sehen wir eine Frau (Mutter) die ein in Stoff fest eingehülltes Kind trägt. Das Bild stellt die Witwe mit dem Sohn dar - siehe dazu auch unser Buch: Das Medaillon in der unteren Krypta des Völkerschlacht- denkmals.

Warum also haben wir dieses Thema erneut aufgegriffen da wir darüber schon einen kleine Broschur  geschrieben haben?

Die skeptischen Reaktionen und unserer Erkenntnis nach eindeutige Zuweisung dieses Reliefs als ein Wiedergeburtssymbol, macht es erforderlich die Wurzeln dieses Symboles etwas näher zu beschreiben.
Als man daran ging die untere Krypta ebenfalls einer Sanierung zu unterziehen wurde die vorgefundene Kammer, die unserer Meinung nach eine Grabkammer war, abgebaut. Einige meinten, es handele sich nicht um eine Grabkammer sondern nur um eine "Kammer für die Bauleute, die haben dort ihre Materialien bzw. Werkzeuge deponiert. Also könne man sie auch zurück bauen bzw. abreißen" 
Das das Relief und die Kammer zusammen gehören ist ungehört geblieben.
Sehen wir uns zum Vergleich einmal eine Skuptur aus dem etruskischen Totenkult ( 450-425 v. Chr.) an.
voelkerschlachtdenkmal
witwe
Rekonstruktions Zeichnung
( Formen und Stile Antike. Benedikt Taschen Verlag GmbH 1994)

Kommentare der italienischen Archäologen:
"Im Hohlraum im oberen Teil der Büste waren die Überreste der Verstorbenen und Grabbeigaben deponiert.
(A) Der separate gearbeitete Kopf verschließt den für die Asche vorgesehenen Hohlraum.
Im Unterschied zu anderen bekannten Statuen dieser Art taucht diese Figur des Wickelkindes nur hier auf.
Das Motiv der auf einem von Sphingen flankierten Thron sitzenden Frau ist als Ehrenzeichen von anderen Stücken bekannt und wurde auch für Männerfiguren abgewandelt.
Es handelt sich sehr wahrscheinlich eher um eine Darstellung der Frau in ihrer Rolle als mater familias, als um eine Göttin."

Der Kopf dieser Skultur war also wie ein Verschluß gearbeitet in dem darunter sich befindenden Hohlraum gab man die Asche der/des Toten. Im Gegensatz zu der Auffassung der italienischen Archäologen, meinen wir, das es sich hier - auch bedingt durch die zwei Sphingen (sie gelten als Sinnbild göttlicher Stärke, Br.Max Opitz in seiner Schrift über die Cheopspyramide und die königliche Kunst ), an den Seiten des Thrones- um die Göttin der Erde, Persephone, Hekate oder schwarze Madonna etc. handelt. Die Gnostiker nannten sie: Achamoth, sie ist die Schwester von Isis-Sophia.
Der Kult ist eindeutig: Man schüttete die Asche der/des Toten in die Göttin hinein, hoffend das sie die Wiedergeburt der/des Toten bewirke -  nicht umsonst  trägt sie ein neugeborenes Kind in ihren Armen. Dieses Kind gleicht dem auf dem Relief im Denkmal.
Nach der Vorstellung der Lebenden, tritt der Tote aus seiner Kammer, aus der Urne, und sieht vor sich das Symbol der Göttin die gleichzeitig auch als Symbol der Wiedergeburt gilt. Dieses Symbol taucht nur in Grabkammern auf . Es ist dies nur ein kleines Beispiel aber eben ein sehr klares und deutliches.
Das dieses Symbol etwas mit den eleusinischen Mysterien zu tun hat, ist nicht von der Hand zu weisen. Darüber existiert eine unfangreiche Literatur.
Ein Bild sagt eben mehr als tausend Worte.
Siehe dazu auch Buchvorstellung: Das Medaillon in der unteren Krypta des Völkerschlachtdenkmals.
Siehe dazu auch: Gnostische Schriften aus Nag Hammadi.

Literatur: David Locatelli, Fulvia Rossi, Mittelitalien Das geheimnisvolle Volk der Etrusker, Parthas 2009.

wiedergeburt
Besiegt die Natur, der ewige Kreislauf des Lebens, den Tod?
(So kann man die Wirklichkeit auch darstellen)

R. Steiner, Die Brücke zwischen der Weltgeistigkeit und dem Physischen des Menschen, Seite: 110 (GA 202):
...glaubt man, der Menschenkeim wachse einfach im mütterlichen Leibe aus den Kräften des mütterlichen Leibes selbst heraus. Dieser Menschenkeim kommt eigentlich eindeutig aus der geistigen Welt. Er benützt nur denjenigen Ort, in dem er gewissermaßen das Tor findet, um in die physische Welt hereinzukommen. Es ist innerhalb dessen, was sich um uns herum im Raume ausbreitet, nirgends ein Tor für den Menschen, der die Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt durchlebt hat, um in die physische Welt hereinzukommen. Es ist nur innerhalb des Menschleibes selbst dieses Tor. Und was da kraftet, was da wirkt, das sind nicht die Kräfte von Vater und Mutter, sondern das sind kosmische Kräfte, die eben duch den mütterlichen Leib nach der Befruchtung ihren Zugang zur physischen Welt suchen, nach der sie als geistig-seelisches Wesen eine Begierde entwickelt haben. So verwandelt sich der Mensch in ein physisches Wesen; aber dieses physische Wesen ist nur die äußere Form für ein Geistiges.

Siehe dazu auch:  Eckleff - der unbeachtete Gnostiker
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1928 schrieb der deutsche Freimaurer Br. Max Opitz in seiner Schrift über die Cheopspyramide und die königliche Kunst, Seite 45, folgendes über die eleusinischen Mysterien im Zusammenhang mit dem Kult der beiden Göttinen Persephone und Demeter:
"...Das die eleusinischen Mysterien in so hohem Ansehen standen, hatte seinen Grund nicht nur in einer gewissen religiösen Pietät und Ehrfurcht, sondern vor allem darin, daß die Eingeweihten durch ihren ganzen Lebenswandel Zeugnis ablegten von der Heiligkeit und der heiligenden Kraft des Dienstes der "großen Göttinen" Demeter und Persephone. Aus Suchenden waren durch Selbsterkenntnis Epoptai (Sehende) geworden; die Schrecken des Todes waren überwunden, die Rätsel des Lebens gelöst. Ihnen war Sterben - Wiedergeborenwerden. Diese Erkenntnis wirkte sich in guten Taten aus. Hier haben wir also Freimaurerei sozusagen in Reinkultur vor uns. Sophokles, einer der größten Dichter Griechenlands, der selber ein Eingeweihter war, faßt seine Eindrücke von der Einweihung in folgende Verse zusammen:
Dreimal selig, ewig stillbeglückt
Ist der Sterbliche, der jene Weih erblickt,
Ehe er zum Hades niederstieg.
Seiner harrt dort Freude, Licht und Sieg,
Ihm allein ist Sterben neues Leben;
Doch den andern wird viel Leid gegeben.

Copyrigth Frank Heinrich 2013, Juli.
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Die Auflösung dieses Symbols traf mich völlig unerwartet, ja man muß nur warten können bis das entsprechende Buch in der Hand liegt.
Bei der Entschlüsselung der Symbolik des Medallions hatten wir die vorhandene allgemeine Literatur durchgeforstet, aber leider eben nur das gefunden, was Sie hier lesen können. Nun hat Thieme neben dem Medaillon auch keine Gebrauchsanweisung hinterlassen. Für die damaligen Eingeweihten war ja klar, was Thieme damit ausdrücken, worauf er hinweisen wollte - nur für uns heutige ist das eben nicht so einfach, sofort alles durchschauen zu können nach dazu ein großer Teil der alten Symbolik heute nicht mehr Verwendung findet und auch fast vollständig dunkel geworden ist.
Ich bekam ein Buch in die Hand von einem Gelehrten, namens Chreuzer. Er schrieb ungefähr um 1860 ein Buch: Symbolik und Mythologie der alten Völker, ein hoch interessantes Werk!
Auf Seite 437 - Die Pythagoräer las ich folgendes:

..."so erfolgte das Einwckeln des Leichnahms (Ägyptischer Mumiendienst d. A.) in die Mumiendecken, das zugleich ein Einsegnen war. Man umwickelte nämlich, um alle Teile des Körpers in ihrer natürlichen Form zu erhalten, den ganzen Körper vielfach mit den feinsten Stoffen von Linnen und baumwollenen Zeugen (byssos). Denn der mumisierte Mensch wird, nach allegorischer Ansicht, wieder ein Kind; er wird durch den Tod von neuem gleichsam geboren; er geht in ein neues Leben ein, Rein und unschuldig, wie das Kind, soll er in die Wohnungen der Götter eingehen. Daher legte man ihm die Hände entweder dicht an die Seiten oder kreuzweis übereinander, und wickelte ihn ein in Windeln, wie das neugebore Kind."
(siehe dazu Artemidor Quarocrit I. 13 p. od. Reiff)
Eine Seite weiter begründet er diese Erkenntnis mit Betrachtungen über die Pythagoräer, er schreibt weiter:
..."Daher die Pythagoräer, diese ächten Lehrmeister der Aegyptischen Priester, den Tod für eine zweite Genesung erklärten. Daher nannten sie auch den Tod das Geburtsfest des Menschen, weil jetzt das wahre Leben und die wahre Gesundheit des Menschen ihren Anfang nähme. Jene frühere Geburt sei eine Geburt im Trüben und Finstern, und befleckt mit allen irdischen Mackeln.

Spätestens jetzt wissen wir genau was Thieme mit dem Medaillon symbolisch der Nachwelt überliefern wollte, alle weiteren Spekulationen sind somit unnötig geworden.
Thieme der Pythagoräer?
Somit ist auch die Spekulation, ob sich die sogenannte "Baubude", die sich Thieme als Grabkammer bauen ließ, wirklich um eine Baubude für die damaligen Handwerker handelt. Dieses hohe Symbol der Wiedergeburt, das wir als Medaillon bezeichnetten, gegenüber einer Baubude anzubringen, halte ich für unmöglich und widersinnig. Nur gegenüber einer Grabkammer erfüllt dieses Symbol seinen Sinn-Wert.

Copyrigth Frank Heinrich 2015 Juli.
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