Auerbachs Keller

Faust

ISBN: 978-3-9807295-2-9
Im Buchhandel oder direkt bei MdG-Books erhältlich
Verkaufspreis:  EURO: 7,50


Inhalt
Lang ersehnt und endlich da: eine Neufassung der umfangreichen Geschichte von Auerbachs Hof und Auerbachs Keller.
Es ist weniger eine sachliche Hauschronik als vielmehr ein lebhaftes Geschichts- und Geschichtenbuch. Forschung und Chronik sind in Erzählform gekleidet, 
durchwoben von zahlreichen Anekdoten und Legenden, von Abenteuern und Schicksalen. Es wird vom ersten Besitzer am Ort bis zum Bau der Mädler-Passage, von Dr. Stromer, Luther und Melachthon, den Grafen von Lindenau, Goethe und Faust berichtet.
Es geht um die Auerbach-Story und den Faust-Mythos, Wahlverwandtschaften und Geistesströmungen.
Es handelt von sehr wichtigen Dingen und von völlig Nebensächlichem.
Es ist insgesamt ein historisches Stück Leipzig als erbauliches Lesevergnügen.


Leseprobe:

Inhaltsangabe:

Erste Eindrücke
Die Auerbach-Story
Der Faust-Mythos
Das Lebenswerk
Die Legende bekommt ein Zuhause
Wahlverwandtschaften
Geistesströmungen
Abschied und Neubeginn




auerbachskeller
Geistesströmungen
( im Buch Seite 57 ff.)

Die Okkultisten unter sich ......
Es ist allgemein und hinlänglich bekannt, daß der spätere Geheimrat Goethe ein überzeugter Freimaurer war und daß er der erlauchten Loge „Anna Amalia“ in Weimar brüderlich  angehört hat. Was Freimaurerei heißt, was sie für die bedeutet, die dazugehören, das kann hier in dieser Kürze nun nicht ausgebreitet werden. Wir empfehlen dazu die Lektüre unseres Bandes „Testament der Freimaurer - Das Völkerschlacht- denkmal zu Leipzig“ und / oder die weitere Broschur dazu: „Das Geheimnis des Medaillons - Unter der Krypta des Völkerschlachtdenkmals“. Um nur überhaupt ein erforderliches Grundbegreifen hier schon zu ermöglichen, sei an dieser Stelle der Versuch gemacht, etwas zum Wesen der Freimaurerei zu sagen:

Die Freimaurerei beginnt offiziell mit ihren ersten Logen im frühen 18. Jahrhundert; im Regelfall wird die erste Londoner Loge von 1717 als historischer Beginn der neuzeitlichen Freimaurerei angegeben. Aber sie gestaltete sich schon damals aus sehr viel älteren Traditionen heraus. Am prägendsten war wohl die Tradition der mittelalterlichen Dombauhütten, die hohe Kunst des Dombaus.Es bildeten sich Bünde heraus, deren Baumeister und Steinmetze als „freie Maurer“ im Sinne von frei und unabhängig bezeichnet wurden, weil sie den Gesetzen der Zünfte nicht unterstellt waren, und die das hohe Eingeweihtenwissen ihrer Sakralkunst ganz hermetisch unter sich bewahrten. Diese Freimaurerbünde waren nach Lehrlingen, Gesellen und Meistern geordnet, die sich nach ihren aufsteigenden Kenntnisstufen auch in entsprechenden Lehrlings-, Gesellen- und Meistergraden organisierten. Da ein Geselle bereits höhere Pflichten und größere Rechte als ein Lehrling hatte und ein Meister wiederum mehr Befugnis und höheren Ratschluß als ein Geselle, waren die Grade hierarchisch aufgebaut und wie in einer Pyramide, an deren Spitze die hochwürdigen Meister standen, miteinander vernetzt. Um überprüfen zu können, ob ein Zugereister auch wirklich zu den eingeweihten Bruderschaften gehörte, und um sicherzustellen, daß zum Beispiel ein Lehrling sich nicht etwa den Anschein der Gesellenschaft gab, um sich damit den Zugang zu Kenntnissen
und Wissenschaften zu erschleichen, für die er noch nicht herangebildet und reif genug war, gab es ein kompliziertes Erkennungssystem von Handzeichen, Griffen und Paßwörtern, die in jedem Grad nur die Brüder erfuhren, die in diesen Grad aufgenommen und für würdig befunden worden waren. So wurden sie hermetische Bruderschaften mit strengen Ordnungssystemen, die dem Wissen und Wirken innerhalb ihrer Logen strenge Geheimhaltung auferlegten, so, wie entfernt vergleichbar auch heute noch Berufsgeheim- nisse gehütet werden. Ein wahrer Meisterkoch verrät das besondere Küchengeheimnis seiner Kochrezepte nicht, ein Kunstmaler nicht seine besondere Zusammensetzung bestimmter Farben, der Drogist nicht die Rezepturen seiner Elixiere. Aber bei den Freimaurern kam noch etwas Bedeutendes hinzu:
Denn es war so, daß schon der Bau an einem Dom etwas Heiliges war, daß das kunsthandwerkliche Schaffen mit allen seinen profunden Kenntnissen eine rituelle, eine kultische Bedeutung bekam. Die Meisterschaft des Dombaus entsprach der uralten Kunst, heilige Tempel zu bauen, Tempel, die mit architektonischen Mitteln das Gottesreich im Irdischen widerspiegeln sollten, Gotteshäuser, deren Maße, Proportionen und Abbilder von den Gesetzen der Schöpfung kündeten und vom Verhältnis der Menschen zu ihrem Gott. Es bedurfte also großer Kenntnis auf dem Gebiet der Baukunst,aber auch der Religion und der angewandten Mysterien; der Baumeister war in seiner Weise also auch ein Priester und ein Weisheitsträger. Folglich hatte auch seine meisterliche Lebensführung rein und vorbildhaft zu sein und war sein Leben angefüllt mit Andacht und Meditation, mit feierlichen Ritualen und Kulthandlungen im geschlossenen Kreise der Loge.
Es kam aber irgendwann der Zeitpunkt, wo die Gotik ihren Zenit überschritt und keine Kathedralen mehr gebaut wurden. Die Zeit kam, wo das Dombauhandwerk zurückging und seine symbolische Bedeutung, die es schon immer gehabt hatte, sich zunehmend verselbständigte. Aus der handfesten „Werkmaurerei“ wurde die symbolische, „spekulative“ Freimaurerei. Die „Hand ans Werk“ zu legen, wurde zu einem zeremoniellen und rituellen Vorgang. Der rechte Winkel wurde zum Sinnbild der göttlichen Schöpfungsweltordnung, der Zirkel zum Sinnbild des Wirkens auf dem irdischen Plan im Sinne dieser Ordnung. Der Meisterhammer wurde in einem
ähnlichen Sinn ein Ausdruck von Amtshoheit wie ein Auktionshammer, mit dessen zeremoniellem Schlag „zum Dritten“ ein Preisgebot unumstößlich feststeht.  Und so haben Senkblei und Lot, Dreieck und Meßlatte, der Lederschurz und die Kelle am seidenen Band ihre symbolkundliche Übersetzung in eine geistige Ebene erfahren. Der alte Werkmeister hatte noch am rauhen Stein gemeißelt, damit der zu einem Quader, einem Kubus wurde und paßgenau ins Mauerwerk verfugt werden konnte. In der spekulativen, symbolischen Maurerei war der Bruder nun selber der rauhe Stein, an dem er im übertragenen Sinn fleißig meißeln sollte, auf daß er selbst ein wertvoller, tragender Baustein im Gefüge des großen Menschheitstempels werden könne. Was früher vordergründig der gotische Dom gewesen war, das wurde nun die Menschheit. Und in diesem geistigen  Tempel der Humanität nahm der geistige Freimaurer die Last menschlicher Verantwortung auf seine Schultern und wurde eine Säule in der Kolonne der Brüder und ein Eckstein im Gefüge der Gesellschaft.
Die Weisheit am Bau blieb Weisheit aus Menschheitserfahrung und Liebe zu Gott; die Schönheit der Maßwerke erhielt sich in Moral und Ethik; die Stärke wurde die Willenskraft, die Berge versetzen kann. Der Logos des Schöpfergottes wurde zum verlorenen Meisterwort, und man führte seine Tradition auf den ersten biblischen Tempel zurück, der für den einzigen und allumfassenden Gott gebaut worden war: den Salmonischen Tempel. Viele Legenden und Mythen fanden so Eingang in die Pflege freimaurerischer Geistigkeit.

So wurden die Freimaurerlogen zu Tempeln der Ideale, der Menschenwürde und Menschenrechte, der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, des Humanismus und der Humanität. Und wenn es auch verschiedene Strömungen gibt, Obedienzen, die ihre Traditionen unterschiedlich gewichten und in ihrem Selbstverständnis voneinander abweichen, so sind sie sich in ihren Ausdrucksformen doch ähnlich und verfolgen grundsätzlich dieselben Ziele. Der Freimaurer strebt danach, dem Menschen, der Menschheit zu dienen. Und das war nun eine Sache, welcher sich auch Goethe noch zuwenden sollte, und er sollte sein ganzes, langes Leben lang diesem Streben treu bleiben.

Als Goethe in Auerbachs Keller zechte, da war er noch kein Logenbruder; aber er wurde es, als seine Faust-Tragödie sich in ihrer weltberühmten Form manifestierte. Wir müssen solches Freidenkertum mit einbeziehen, wenn wir Goethes Entstehung des ruhelosen, ständig suchenden, ewig strebenden Faust besser verstehen wollen. Aber die Freimaurerei allein reicht noch nicht, das Wesen des Faustischen seinem Inneren nach ganz zu erklären. Denn es wandte sich Goethe auch noch dem Rosenkreuzertum zu,
das in seinen Menschheitszielen ähnlich liegt, im Selbstverständnis seiner geistigen Herkunft und seiner okkulten Traditionen aber anders strukturiert ist. Die Rosenkreuzer haben beispielsweise nicht viel gemeinsam mit den alten Dombauhütten und zelebrieren deshalb auch nicht diese symbolische Ableitung.
Dafür sind sie sich aber der langen Mysteriengeschichte der Menschheit stärker bewußt, aus deren Wurzelwerk sich ihr eigener Okkultismus heraufentwickelt hat.
Sie begründen ihre Tempelarbeit auf ägyptischen Mysterien; sie sind die geistigen Träger der Allchemie des Mittelalters gewesen, wo die Freimaurer das mittelalterliche Dombauwerk versinnbildlichten, und sie haben bis weit ins 19. Jahrhundert hinein Magie praktiziert, Spiritismus, Nekromantie, Astrologie.
Die Suche nach dem berühmten Stein der Weisen, die Verwandlung von Blei in Gold sind typische Metaphern einer rosenkreuzerischen Mystik. Und auch das muß man unbedingt mit einbeziehen, wenn man verstehen lernen will, was Faustens Wissenschaft ausmacht, die Dimension seines Trachtens, die Transzendenz seines Erlebens durch Räume und Zeiten, die geistigen Mächte und die Rolle und Bedeutung Mephistos. Das alles funktioniert nicht ohne den Glauben an eine Geisterwelt und an göttliche Mächte, ohne die Überzeugung vom Leben nach dem Tode, von der Erinnerung an vergessene Leben und die karmische Wiedergeburt. Faust ist nicht denkbar ohne das Wissen um die menschliche Unsterblichkeit und die Göttlichkeit des Menschen.
Mephisto wird nicht vorstellbar ohne ein Wissen um die zwei Seelen, die in des Menschen Brust wohnen und ringen, ohne die Dualität von Dunkelheit und Licht und ohne die Polarität von gut und böse und die Freiheit des Menschen, sich zwischen beidem zu entscheiden. Faust ist nicht Faust ohne die klassischen Mythen der Menschheit,
den griechischen Olymp, die ewig waltende Macht des Schicksals. Goethe wäre nicht so ohne seinen Faust. Gewissermaßen ist der tragische Faust ein esoterischer Extrakt, quasi eine allchemistische (alchimistische) Essenz, die sich Goethe aus eigener Erfahrung als Freimaurer und Rosenkreuzer errungen hat. Und nun kommt da noch etwas Interessantes zutage:
Auch Heinrich Gottlieb von Lindenau, der Graf von Machern, der Vater von Carl Heinrich August und Besitzer von Auerbachs Hof, war seines Zeichens ein Bruder des christlichen Freimaurer-Ordens. Die Macherner Parkdirektion selber ist 1994 im „Geheimen Preußischen Staatsarchiv“, noch bevor es nach Potsdam umzog, auf eine Urkunde gestoßen, die diese Tatsache zweifelsfrei belegt. Graf Carl Heinrich August, der schon seit seiner frühen Kindheit zu Goethes aufregendem Bekanntenkreis gehörte,
wurde auch von seiner väterlichen Seite im Geiste der freimaurerischen Ideale und Werte erzogen; er war sensibel, war empfänglich für die goetheschen, faustischen Wege der Einweihung. Und auch Carl Heinrich August wandte sich nach einer folgenreichen Englandreise dem Bund der Rosenkreuzer zu und fand Eingang - ein sächsischer Graf! - in die preußischen Bruderkreise um den Außenminister des Königs, den Freiherrn Hans Rudolf von Bischoffwerder.
Mit der Protektion solcher rosenkreuzerischen Brüder machte er dann am preußischen Königshof noch einmal Karriere und beendete sein erfolgreiches Leben 1842 im Alter von 87 Jahren auf seinem zuletzt erworbenen Landgut von Klein-Glienicke bei Potsdam.

Auch das alles können wir hier nicht ausbreiten, verweisen aber auch hier wieder auf das erwähnte Buch: „Auf den Spuren der Rosenkreuzer - Der Schloßpark von Machern“.

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